Nebenstimmen #38: Unsuk Chin & Christian Fausch (DE)
Shownotes
In „Nebenstimmen“ hören Sie Gespräche von Mitgliedern des Ensemble Modern mit von ihnen ausgewählten Gästen über Musik, Kunst und das Leben. In dieser Folge trifft der Künstlerische Manager und Geschäftsführer Christian Fausch auf die Komponistin Unsuk Chin. Im Gespräch erinnert sich Unsuk Chin an ihre Kindheit und Jugend im Seoul der 1960er- und 1970er-Jahre und erzählt, wie ein deutsches Klavier ihre Begeisterung für Musik weckte. Sie spricht über den prägenden Einfluss ihres Kompositionslehrers Sukhi Kang, ihren Weg nach Deutschland und ihre anhaltende Faszination für die Musik Claude Debussys. Darüber hinaus gibt sie Einblicke in ihr kompositorisches Denken und ihre künstlerische Vorstellungskraft. Welche Assoziationen verbindet sie mit Begriffen wie Märchen, Sopranstimme, Synästhesie, Schlaginstrumentarium oder Textarbeit? Und welche Ideen und Erfahrungen flossen in Werke wie „Gougalōn“, das „Double Concerto“ und „Akrostichon-Wortspiel“ ein? 2026 präsentierte das Ensemble Modern beim Festival Prague Spring, dessen Composer in Residence Unsuk Chin war, mehrere ihrer Werke. Das Ensemble Modern ist dort von 2025 bis 2027 Ensemble in Residence. Im September ist das Ensemble bei der Akademie des Tongyeong International Music Festival in Südkorea zu Gast, dessen Künstlerische Leiterin Unsuk Chin ist.
Unsuk Chin, Komponistin Christian Fausch, Künstlerischer Manager und Geschäftsführer
Musik Jingle: Conlon Nancarrow: Study No. 5, arrangiert von Dietmar Wiesner Sprecherin Jingle: Eva Böcker
ensemble-modern.com
Transkript anzeigen
00:00:03: Nebenstimmen Der Podcast von und mit Mitgliedern des Ensemble Modern.
00:00:13: In Nebenstimen hören Sie Gespräche von Ensemble-Mitgliedern, mit von Ihnen selbst ausgewählten Gesprächspartnerinnen zu Musik, Kunst und Leben.
00:00:24: Erfahren Sie woran die Musikerinnen und Musiker gerade arbeiten – was sie persönlich beschäftigt!
00:00:32: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Nebenstimmen.
00:00:37: Ich bin Christian Fausch, der künstrische Manager und Geschäftsführer des Ensemble Modern.
00:00:41: Und ich freue mich sehr hier, unsug Chin bei mir zu haben.
00:00:44: Hallo!
00:00:44: Herzlich Willkommen!
00:00:49: Der Name wird hierzulande eigentlich falsch ausgesprochen, wenn ich das richtig
00:00:57: verstehe.
00:00:58: Ja weil es einfach gar keine richtige Möglichkeit gibt meine Namen richtig auszuschreiben.
00:01:06: also ich schreibe UNSUK.
00:01:09: dann spricht man dann unsuch ein.
00:01:12: THN Chin aber ist das eigene Ê nicht Ê. Also diese Vokalöe, das gibt sie in Deutschen nicht.
00:01:23: Aber in Ungarischen und in meiner Studienzeit war der Liegetee, der einzige, der meinen Namen richtig aussprechen konnte.
00:01:33: Aber
00:01:33: koreanisch und ungarisch sind nicht verwandt oder doch?
00:01:37: Angeblich
00:01:37: soll es gewisse Verbindungen geben, also koreanische, ungarische und finnische.
00:01:45: Der Zufall will es, dass du mit einem finnischen Mann verheiratet bist.
00:01:48: Also das heißt ... Das ist alles sehr ... Ein Gesamtkunstwerk eigentlich!
00:01:54: Ja, wir sprechen im Deutschen gerne die Dinge so wie sie geschrieben sind.
00:01:59: Das soll man ja auch.
00:02:00: Buchstabe
00:02:01: für den Buchstab.
00:02:01: Aber gerade im koreanischen, ich meine auch... Die Hauptstadt von Korea Seoul sagt man in Deutschland immer Seoul?
00:02:08: Seoul, ja.
00:02:09: Aber
00:02:10: richtig ist eigentlich Seoul.
00:02:11: Also wie die Seele.
00:02:15: Ja, du hast dich aber dran gewöhnt, dass sein Name auf Deutsch ausgesprochen wird.
00:02:20: Genau!
00:02:21: Also das ist mittlerweile mein zweiter Name geworden.
00:02:28: Du lebst seit über dreißig Jahren in Deutschland?
00:02:31: Nein nein, über vierzig Jahre.
00:02:33: Seit
00:02:34: seit einundvierzig Jahren.
00:02:36: Seit einunvierzig Jahren genau.
00:02:38: Wir gehen noch mal zurück.
00:02:40: Du bist in Seoul aufgewachsen In den Sechziger Jahren, das heißt es war die Zeit wo die Nachwirkungen des Krieges auch noch sehr deutlich spürbar waren.
00:02:50: Das war der Diktatur.
00:02:53: Wie bist du da aufgewachsen?
00:02:55: Ich bin eigentlich nicht in Seoul geboren, sondern in der Nähe von Seoul.
00:03:00: In Gyeonggi Province und ich bin nach Seoul gezogen als ich vier Jahre alt war weil also mein Vater war Pfarrer und er hatte eine Küche in dem Ort wo ich geboren wurde und der wurde versetzt also nach Seoul.
00:03:17: so bin ich nach Seoul gekommen.
00:03:19: damals war wir wissen alle also Korea war sehr sehr Arm.
00:03:27: Und wir hatten damals einen Präsidenten, der geputscht hat – also so ein ehemaliger General und das war schon unter Diktator aber er hat ja damals in den Sechzigerjahren noch nicht seine Diktatorship sozusagen voll entfalten.
00:03:46: Das kam also ab Anfang des Siebziger-Jahres Und das Leben war extrem hart.
00:03:52: Aber trotzdem, also ich habe eine sehr schöne Erinnerung von meiner Kindheit.
00:03:59: Wir haben immer gespielt im Reisfelder.
00:04:02: Also da wo ich gewohnt hatte in Seoul, der alte Flughafen jetzt ist Kimpo.
00:04:09: Das war ... Flughafen war da aber alles andere waren nur Reisfälter und da haben wir gespielt.
00:04:16: Ich habe immer so sehr genossen, den Sonnenuntergang jeden Tag.
00:04:22: Aber alles andere war ziemlich hart, also materialistisch und auch diese Umgang und die Kultur mit den Leuten untereinander – das war auch sehr, sehr hart!
00:04:37: Wie bist du dann zu Musik gekommen?
00:04:39: Ist das über deinen Vater und die Kirche oder...?
00:04:43: Ja, also als wir noch nicht ins Hof unten... Als ich zwei Jahre alt war hat mein Vater ein Klavier gekauft.
00:04:51: Also für die Kirchen ein deutsches Klavier.
00:04:55: Und das hieß König!
00:04:58: König ist es.
00:04:59: Und ich erinnere mich ganz genau an den Tag, wo dieses Klavier also ins Haus transportiert wurde.
00:05:07: Ich habe die Deckel aufgemacht und ein paar Töntchen gespielt.
00:05:11: Also sofort hatte ich irgendwie so einen körperlichen Bezug auf dieses Instrument.
00:05:17: So habe ich angefangen und bald drauf hat mein Vater mir so ein bisschen Notenlesen beigebracht.
00:05:27: und dann eben so kleine Sachen gespielt, und so habe ich angefangen.
00:05:32: Und dann hast du in Seoul das Kompositionsstudium aufgenommen?
00:05:37: Das ist aber viel später.
00:05:39: Einige Jahre später?
00:05:40: Ja,
00:05:40: einige Jahre später.
00:05:44: Ich wollte eigentlich Pianistin werden, aber mit elf oder zwölf Jahren dachte ich also wir hatten gar kein Geld für Musikausbildung oder irgendwelche Unterricht hatten wir absolut kein Geld.
00:05:56: und ich habe als Kleinkind auch Geld verdienen müssen.
00:06:01: und mit sieben habe ich angefangen bei den Hochzeiten Klavier zu spielen.
00:06:07: Das habe ich irgendwie so drei, vier Jahre lang gemacht und Geld verdient.
00:06:10: Und dann sonst irgendwie so Kleinigkeiten was man im Alltag braucht.
00:06:14: Was hat man da so gespielt?
00:06:17: Ja also Wagner diese Hochzeitsmarsch und so paar kleine koreanischen Lieder oder so.
00:06:24: Und dafür musste ich dann die Schule schwänzen.
00:06:29: Für mich war das schwierig, aber damals war es so, also jedes Kind oder jeder Mensch musste irgendetwas machen um Geld zu verdienen und jeden Tag satt zu werden.
00:06:40: Und diese Hochzeitsfeier, wo ich gearbeitet habe, das war insofern lukrativ.
00:06:48: Man wurde bezahlt ... Ich hab irgendwie so zwanzig Cent bekommen oder so Aber man wurde eingeladen zum Essen.
00:06:56: Also ich habe so super gegessen oder und dann es gab ja irgendwie Geschenke für die Gäste, das hab' ich auch bekommen.
00:07:04: Und wenn ich an einem Tag irgendwie so sieben-acht Druckseiten begleitet hatte, dann hatt' ich sieben acht Geschenken, so Seifen und Zahnpasta oder irgendwelche Kekse.
00:07:18: Was man damals ... normalerweise nicht so leicht gekriegt hat.
00:07:24: Das habe ich lange gemacht und einige Jahre danach habe ich gedacht, klar, wir Pianisten zu werden, das geht einfach gar nicht.
00:07:35: Das können wir gar nicht machen.
00:07:37: Und mein Lehrer in der Schule, der war selber Komponist und er hat mir geraten, Kompонisten hinzuwerden.
00:07:44: So hat es angefangen.
00:07:45: Ich war zwölf, dreizehn ... dann dachte ich mir, okay also ich wusste gar nicht was komponiertem war so etwas wie Beethoven und ich dachte naja das ist sicherlich viel billiger Komponistin zu werden als Pianistin.
00:08:03: So habe ich mich entschieden.
00:08:05: Und hat er dich dann die ersten Schritte mit dir gemacht?
00:08:09: Genau.
00:08:09: Also der hat mich geholt, also gerufen und dann er hat so ein paar Gehörübungen gemacht und damals ich konnte sehr gut hören und er hatte eine kleine Nachtmusik, Streichquinte.
00:08:25: da hat er dann abgespielt und ich soll das mal aufschreiben.
00:08:28: Das habe ich auch gemacht und dann sagt ihn du sollst also Komponistin werden.
00:08:35: Damals nicht kapiert, was all das bedeuten sollte.
00:08:39: Aber okay!
00:08:44: Und dann hast du dich drauf eingelassen und dann ist der Weg weitergegangen?
00:08:47: Dann bist du an die Hochschule ins Auto.
00:08:49: Ja
00:08:49: ja genau.
00:08:50: Also damals ... er hat mir so ein paar Mal Klavier unter sich gegeben also mein Musiklehrer.
00:08:57: Und irgendwann bin ich nicht mehr hingegangen weil ich das nicht bezahlen konnte Und in der Zeit, also bevor ich noch studierte meine Schwester war die Hoffnungsträgerin der Familie und sie durfte Gesang studieren.
00:09:16: Also die war Sängerin und wir haben ein relativ großes Altersunterschied und die war schon Studentin.
00:09:24: Sie hatte all diese Theoriebücher so Counterpoint oder Harmonielehre und all diese Sachen Und ich habe das also mit gelernt, alleine so autodidaktisch.
00:09:35: Und irgendwann dann hab' ich ihre alle Aufgabe, Hausaufgabe für sie gemacht und dann bald drauf kam ... Alle ihre Studenten, also Freundinnen und dann für sie durfte ich das auch machen.
00:09:49: So habe ich das ... Also Theorie auch gelernt... Genau!
00:09:54: Und viel Musik gehört und dann irgendwie Partitur abgeschrieben
00:09:58: usw.,
00:09:59: aber ich hatte einfach keine regelmäßige Unterricht bei ... bei niemandem.
00:10:05: Also so habe ich auch die Aufnahmeprüfung gemacht und natürlich durchgefallen, beim zweiten Mal auch durchgefallen.
00:10:13: und beim dritten mal war hat die Regierung das System geändert und mehr Leute wurden zugelassen.
00:10:23: aber nach vier Semester wurde Leute rausgeschmissen.
00:10:28: in dem Jahr gab es dementsprechend weniger Bewerber weil die Leute Angst hatten Und so bin ich einfach so aufgenommen worden.
00:10:37: Das war mein Glück, ja.
00:10:38: –
00:10:38: Und dann natürlich geblieben?
00:10:40: Geblieben!
00:10:41: Ja, nach den vier Semestern.
00:10:42: Nach dem Viersemester.
00:10:46: Was hast du da für Musik geschrieben in diesen ersten Anzeigen?
00:10:50: Also ... Während dieses Studienzeit, man konnte nie etwas freiwillig schreiben.
00:11:00: Es gab so viele Aufgaben.
00:11:02: Man lernte Sonata-Formen und musste Sonatine schreiben oder irgendwelche Chorsachen oder Streichquartet.
00:11:13: Aber einmal in jedem Semester gab es ein Konzert.
00:11:18: Jeder schreibt ein Stück und das wird gespielt.
00:11:21: Da konnte man ... schreiben, was man wollte.
00:11:27: Also mein Horizont damals war so Bartok Stravinsky.
00:11:32: Ich habe ein bisschen versucht die Sachen zu imitieren aber bei der Aufnahmeprüfung also damals kannte ich Debussy und ich war von seiner Harmonik richtig begeistert Und ich habe alle Aufgaben irgendwie so nach, bis sie geschrieben und das war einfach viel zu ... Das war für die Leute einfach absurd.
00:12:00: Das macht man einfach nicht.
00:12:01: Man musste alles auf eine traditionelle Weise machen.
00:12:06: Ja also so ungefähr hab' ich angefangen.
00:12:11: Hat es in der Zeit also gar kein Kontakt oder Kenntnis von zeitgenössischen, lebenden Komponisten?
00:12:19: Nein.
00:12:20: Erste zwei Semester hatte ich nicht und mein erster Kontakt mit zeitgenössischer Musik, das ging also viel länger zurück.
00:12:32: Also als ich zehn Jahre alt war, war ich zufällig bei dem koreanischen Musikfestival und da gab es einen Abend Orchesterstücke nur Uraufführung von koreanischem Komponisten.
00:12:47: Und ich war da als Kind und das war ja faszinierend, weil es ist sehr unglaublich dass man komponieren kann ohne Rücksicht zu nehmen auf Harmonie und Melodie.
00:13:00: Das war unglaublich!
00:13:02: Und dann später im dritten Semester kam, so ging nach Korea und ich war seine Studentin Nummer eins.
00:13:13: Erste Studentin.
00:13:14: Und da hatte er also viele Sachen mitgebracht.
00:13:16: Also all diese Informationen von Stockhausen, Legitien, Nono und Bullets... Und damals gab es ja noch keine CD und er hat also viele Kassetten irgendwie kopieren von U-Aufführungen oder Sachen.
00:13:32: Das war faszinierend!
00:13:34: Ich hatte überhaupt keinen.
00:13:38: Also viele Leute, wenn sie zum ersten Mal solche Sachen hören, die sagen, das ist doch gar keine Musik.
00:13:45: Aber ich war eine Reaktion ... also ich war nur neu gewesen und dass man so Musik machen kann, das war faszinierend.
00:13:53: Inwiefern hat Isang Jung in der Zeit eine Rolle gespielt?
00:14:00: Komponist in Korea dieser Zeit gewesen ist, oder?
00:14:04: Ja.
00:14:04: Also Isangnyons Musik war für mich am Anfang sehr wichtig und im ersten Jahr habe ich auch so versucht also seine Sachen zu analysieren und also seine Musikkalisisten... Gestures, also Gästik zu imitieren.
00:14:24: Aber bald danach ... Also mein Horizont wurde erweitert.
00:14:30: Das war natürlich interessant aber ich wollte einfach vieles andere kennenlernen.
00:14:37: Und das hatte ich dann auch, in den Hundert und Fünfund Dachzig, vor forty-one Jahren nach Deutschland gebracht?
00:14:43: Genau!
00:14:43: Wie ist es dazu gekommen?
00:14:46: Ich fühle mich immer sehr Ich finde das sehr ... Also lustig, dass man in Deutschland als Ausländer gefragt wird.
00:14:58: Warum aus welchem Grund bist du nach Deutschland gekommen?
00:15:02: Für uns als Musiker war das einfach der große Traum, nach dem Studium nach Deutschland zu gehen weil Deutschland ist ja das Vaterland von der klassischen Musik.
00:15:15: und damals habe ich natürlich also davon geträumt.
00:15:18: Und gerade mein Lehrer ist so gegangen, er kam aus Berlin Also er hat in Hannover studiert bei Isangnion und hat in Berlin im Studio gearbeitet an der TU.
00:15:28: Er hat sehr über Deutschland und Europa geschwärmt, und hat mir gesagt also du sollst auch nach Deutschland gehen und in Europa arbeiten.
00:15:44: Und so habe ich angefangen zu träumen.
00:15:47: Wieso wurde es Hamburg?
00:15:50: Liegeti, dein Lehrer?
00:15:51: Nicht nur weil er deinen Namen korrekt aussprechen
00:15:54: konnte.
00:15:54: Das wusste ja damals noch nicht!
00:15:58: Unter diesen Großmeistern, also große Komponisten für Avangard damals, Liegetis Musik war das einzige was mich ansprach.
00:16:12: Also seine Musik hatte gewissen Fluss und gewisse Linie.
00:16:18: Und das fiel mir damals auf, ich wollte deswegen bei ihm studieren.
00:16:27: Also dazu noch, dass er kein Deutscher, sondern ein Ungar ist.
00:16:32: Und ungarische Geschichte – das hat auch gewisse Ähnlichkeit wie koreanische Geschichte und politische Backgrounds, also Hintergründe und damalige Situationen war es auch ein bisschen ähnlich.
00:16:44: Ich fühlte mich eine große Sympathie für seine Musik und auch seine Herkunft.
00:16:55: Wie war das dann bei ihm zu studieren?
00:16:57: Das war die Hölle.
00:17:04: Alles kam irgendwie ganz anders als man erwartet hat, also überhaupt ... Also dieser Kulturschock in Europa oder in Deutschland das war sehr groß Und heutzutage, also junge Leute die reisen sehr viel und dann per Internet.
00:17:24: Also man kriegt sehr viel mit was woanders passiert.
00:17:29: Damals war das nicht.
00:17:30: Also Korea war auch noch als sehr sehr isoliert.
00:17:33: damals war freies Reisen gar nicht erlaubt erst in den neunziger Jahren und dementsprechend hat man ja.
00:17:45: Also mein Horizont war also sehr, sehr klein.
00:17:53: Und dann kommt man nach Deutschland und man wird dann konfrontiert mit dem schlechten Wetter, dem schlechtem Essen und den unfreundlichen Leuten.
00:18:04: Das ist schon mal ein großer Schock!
00:18:08: Ich habe erst einmal vier Monate Deutsch gelernt in Göttingen im ... Goethe-Institut.
00:18:14: Dann kam ich nach Hamburg und habe angefangen bei Ligeti zu studieren, also ich hab das Ganze überhaupt nicht verstanden.
00:18:23: Also der Unterricht hatte überhaupt keine Formen.
00:18:29: Er saß da, hat ganze Zeit gesprochen natürlich, also er liebte zu sprechen.
00:18:37: Und dann, wir waren also mit allen Studenten zusammen.
00:18:41: Also alle Kommilitonen waren auch dabei und wir waren so sechs Leute plus immer gelegentlich Gäste, zwei drei Leute den ganzen Tag.
00:18:55: Er hat gesprochen über Musik oder er hat Musik gespielt und ich habe das ... all diese drei Jahre wo ich bei ihm studiert habe, habe ich ihn eigentlich nie verstanden.
00:19:11: Das Verständnis kam viel später mit dem Alter im Laufe derzeit nach zehn oder zwanzig Jahren.
00:19:22: Ich erinnerte mich, was er darüber gesprochen hat und dann dieses Verstehen des Inhalts kam viel später.
00:19:33: Denkst du das war seine ... Wer wusste Pädagogik oder er war einfach wie er war?
00:19:38: Nein,
00:19:38: also er war eigentlich überhaupt nicht als Professor da und der hatte auch überhaupt keine Strategie als Pädagoge.
00:19:47: Also der hat sich nie verstanden bei Pädagogen.
00:19:51: Er war halt so.
00:19:54: Der Komponist-und Mensch Legity war so und er hat dann seinen Intellekt sozusagen Hemmungslos ausgelebt.
00:20:07: Also das heißt, du hast auch nicht in dem Sinn wie das heute an den Hochschulen ist Dinge geschrieben, Stücke geschrieben die dann besprochen wurden sondern es war eine sehr... Einseit, ein Dimensionale also von ihm ausgehen.
00:20:20: Nein, er hätte schon über die Stücke geschrieben wenn irgendjemand wagte etwas zu zeigen aber das wagte niemand.
00:20:31: sehr selten und ich habe da aufgehört zu komponieren abgesehen Eines Orchester mit Chor, ein großes Werk habe ich einfach aufgehört zu komponieren weil ich überhaupt keine Orientierung hatte.
00:20:48: Das war psychisch!
00:20:50: sehr, sehr schwierig.
00:20:52: Und das ging also bei den anderen auch so und ab und zu mal so gab es irgendwelche Gäste-Komponisten.
00:21:03: Also die fand ich sehr mutig nach Hamburg zu kommen und da liegen die Stücke zu zeigen und die wurden natürlich verrissen und sie wurden ziemlich kaputt gemacht.
00:21:19: Ja, und dann irgendwann durften sie wieder gehen.
00:21:22: Aber wir wussten wie das dazugeht und deswegen also kaum jemand hat gewacht Stücke ihm zu zeigen.
00:21:34: Welche Musik hatte ich in dieser Zeit interessiert?
00:21:38: Also ich war bei meiner Entdeckungsreise viel Bullets Mission und webern Schönberg-Berg.
00:21:56: Und ich habe natürlich viel Klassik gehört, also ich hab schon als Kind angefangen klassische Musik zu hören.
00:22:02: Also ich liebe klassische Musik.
00:22:04: Das habe ich auch viel gehört.
00:22:07: und da alles was man so bei Ligeti in der Stunde so besprochen hat, so Klavierkonzert von Mozart zum Beispiel, was ich jetzt gerade in letzter Zeit wieder entdeckt habe für mich und ich finde die Musik irre einfach Aber damals fand ich das halt nicht so aufregend.
00:22:26: Und viel Jazz haben wir gehört, viel traditionelle Musik, Gamelan oder irgendwelche afrikanische Musik.
00:22:37: Also das war einfach so eine Mischmasch von alles.
00:22:43: Und du hast aufgesogen
00:22:45: und
00:22:46: dann hat das über Jahre
00:22:48: angereichert.
00:22:52: Du warst dreijahre bis bis achtunddachzig, was du warst?
00:22:55: Achtunddachtzig.
00:22:56: Genau und ich wollte weggehen.
00:22:59: Vielleicht hat er mir das ein bisschen übel genommen kann sein.
00:23:03: Ich weiß es nicht weil alle anderen Studenten die sind mehr oder weniger in Hamburg geblieben Und dann die waren auch sehr aktiv als Legitim Studenten und die haben auch Konzerte organisiert, also sehr aktiv.
00:23:18: Und dann blieben sie sehr aktiv in Kontakt mit Legitimi.
00:23:22: Aber ich wollte einfach weggehen nach Berlin und wollte elektroakustische Musik machen Also genauso wie mein koreanischer Lehrer mir geraten hat Und so bin ich nach Berlin gezogen, vor der Wende, in der ich bin.
00:23:38: Und das war für mich irgendwie eine sehr große Befreiung.
00:23:41: Da musste ich einfach sehr mühsam wieder alles aufbauen und ... Das war ziemlich schwierig, aber all diese drei Jahre in Hamburg war sehr schwierig.
00:23:53: Aber in Berlin so Anfang ein, zwei Jahre waren sehr schwierig.
00:23:59: Aber bald habe ich viele Leute kennengelernt was sie in Hamburg einfach nicht möglich war und diese Stimmung in der Stadt war damals noch extrem bedrückt, extrem unter Spannung.
00:24:16: Aber bald, also innerhalb ein Jahr kam die Wende.
00:24:19: Und das war einfach eine Befreiung.
00:24:21: und seitdem bin ich in Berlin... Ja!
00:24:26: Und hast du die ganzen Entwicklungen seit der Wende?
00:24:29: Genau, genau.
00:24:31: Das war, also neunziger Jahre war Berlin fantastisch bis Anfang Nullerjahre.
00:24:38: Fantastisch.
00:24:40: Und dann irgendwann war Berlin nicht mehr so interessant.
00:24:45: Also früher, vor der Wende, also Berlin war etwas Besonderes und deswegen die Stadt.
00:24:51: Berlin hat auch sehr viel Subvention bekommen.
00:24:55: aber irgendwann diese Privilegien fielen weg und heutzutage in Berlin.
00:25:05: Also ich bedauere das sehr, dass die Stadt irgendwie nicht mehr so aufregend ist wie damals.
00:25:14: Noch mal ganz kurz zurück.
00:25:14: du bist ja dann im Tonstudio der Technischen Universität also da wo auch dein koreanischer Lehrer früher gewesen ist?
00:25:20: Genau!
00:25:21: Hast
00:25:21: Du quasi angeknüpft?
00:25:25: Wie lang warst Du da und inwiefern hat Dich diese Zeit da geprägt oder beeinflusst?
00:25:32: Ja das war eigentlich Eine sehr kreative Zeit.
00:25:39: Mein Ziel war nicht unbedingt, elektroakustische Musik zu machen.
00:25:45: Natürlich habe ich Produktionen gemacht aber ich wollte einfach raus aus dieser Krise mit Legity und ich wollte woanders anfangen und so auf die Weise eine neue Zukunft aufbauen Und ab den Montag, im Studio angefangen.
00:26:08: und da habe ich eine Produktion gemacht.
00:26:11: Ein Stück produziert gratus ad infinitum heißt das.
00:26:16: Das ist also ein achtstimmiger Klavierstück mit Mikrotonal und so ein bisschen angeknüpft zur Musik von Colin Renkeiro.
00:26:31: Damals hatten wir Die damalige Technik war also sehr primitiv.
00:26:41: Man musste alles im Kopf fertig denken und jede Note irgendwie in einem Computer reingeben, die Melodie oder die Klinge was auch immer ausrechnen lassen.
00:26:56: ist man also schön Kaffee trinken gegangen oder Essen gegangen, weil das hat einfach so irrsinnig lange gedauert.
00:27:02: Und auf die Weise, mühsam.
00:27:04: das Stück für Stück musste man ein Stück basteln und daher diese Arbeitsaufwand war gigantisch.
00:27:14: Das Stück hat mehrere hunderttausend Töne und jeden einzelnen Ton habe ich als eine Zeile im Computer eingegeben per Hand also die diverse Parameter und dann das habe ich ausgerechnet lassen, wenn da irgendein Space zu viel war, irgendeinen Fehler.
00:27:34: Und dann hat ein Computer geweigert zu rechnen.
00:27:37: Man hatte irgendwie Magenschmerzen bekommen von kalter Luft in jungen Jahren alle mögliche Beschwerde bekommen.
00:27:46: Das war ihre Zeit aber trotzdem... Ich bin der Meinung, damals hat man viel interessanter Musik komponiert.
00:27:55: Weil man viel mehr an Musik gedacht hat und also die Realisation so schwierig war.
00:28:03: Aber dann habe ich bis Mitte des Neunzigerjahres gearbeitet, einige Stücke gemacht.
00:28:10: Und dann kam Macintosh mit grafischem Bildschirm und man konnte also vieles leichter machen.
00:28:18: Dann habe ich irgendwie das Interesse verloren.
00:28:25: ging alles sehr schnell und dann viele Leute, also jeder konnte praktisch Klänge erzeugen und Stücke basteln.
00:28:36: Und das ging ja immer so weiter und da habe ich also das Interesse an die elektroakustische Musik ziemlich... Komplett verloren.
00:28:50: Sie ist auch nicht wiedergekommen, oder?
00:28:52: Nein und dann in Nulläuere war ich.
00:28:55: bei ihr kam also die Erfahrung war natürlich sehr interessant und da habe ich zwei drei Produktionen gemacht.
00:29:04: aber trotzdem Also, ihr Kampfphilosophie war genau das Gegenteil von meiner Philosophie.
00:29:13: In Berlin habe ich die Sachen gemacht weil mich fasziniert hat.
00:29:18: also man hat als Komponist wirklich nichts, ließ sich dem Zufall.
00:29:25: Man konnte alles kontrollieren, also Verlauf eines Stückes und dann wie das klingen soll usw.
00:29:32: Und man hat eine fertige Produktion in die Welt gesetzt.
00:29:38: was instrumentale Musik Ist nicht immer so perfekt, also je nachdem wer das spielt und so weiter.
00:29:46: Aber diese perfekte Kontrolle hat mich fasziniert.
00:29:50: Und das war der Grund warum ich das gemacht habe in Ilkam.
00:29:53: Man musste einfach sehr vieles dem Zufall überlassen Und wenn ich da ein Stück gemacht habe, hatte ich nachher das Gefühl also mehr als fünfzig Prozent gehört.
00:30:05: Also kam nicht von mir und das hat mich ziemlich frustriert.
00:30:11: Das war eine sehr interessante Philosophie und ich respektiere was alles da.
00:30:17: gemachte wurde.
00:30:19: Das war sehr interessante Sache, aber für mich bin da nicht irgendwie so mit allem warm geworden und im Moment mache ich überhaupt keine Elektronik.
00:30:32: Wette ich wahrscheinlich auch nie wieder machen?
00:30:35: Man weiß nicht!
00:30:36: Wer
00:30:36: weiß?!
00:30:39: Dein Verlag Busy & Hoax charakterisiert deine Musik auf ihrer Website als modern, doch undoktrinär, lyrisch-und vollkommunikativer Kraft.
00:30:52: Und wenn ich das gelesen habe, konnte ich natürlich deine Musik wiedererkennen, bin aber doch sehr über das Wort undoktrinär gestolpert und hab dann einfach sparses halber mal die KI gefragt was eigentlich genau undokttrinäre Musik sei Und da wurde explizit das kompositorische Schaffen von Unzug Chin.
00:31:11: Nein, nein!
00:31:14: Das
00:31:14: fand ich doch sehr interessant.
00:31:17: Warst du irgendwann mit doktrinären Erhaltungen, mit dogmatischem Komponieren konfrontiert?
00:31:28: Schon.
00:31:29: Also meine erste Erfahrung war als ich in Korea studiert hatte bei meinem koreanischen Lehrer Und der war also sehr, sehr begeistert von europäischen Avant-Garde.
00:31:44: Und dann diese Total-Serialismus und all diese Sachen.
00:31:51: Und er hat uns das beigebracht und ich habe das ziemlich schnell aufgenommen natürlich irgendwelche Imitationen produziert, aber irgendwo in meinem Inneren gab es eine Stimme.
00:32:08: Das ist eigentlich nicht das was ich machen möchte.
00:32:12: also Ich habe mit Musik kennengelernt, mit Clementi Sonatine und dann Kirchengesänge und später Bachkorale und die ich alles mit zehn Jahren oder elf Jahren entdeckt hatte in der Schule.
00:32:30: Und das war einfach die Stimme aus dem Himmel, also Musik habe ich so verstanden.
00:32:37: Musik muss so sein.
00:32:38: Das heißt nicht irgendwie dass man immer tonal komponieren muss.
00:32:42: Also das ist wieder eine Dogma aber es gibt diese Visionen und Farbe von dieser Musik.
00:32:48: Das ist für mich Musik.
00:32:51: Später habe ich also viele andere Sachen kennengelernt.
00:32:54: Stravinsky fand ich fantastisch, zu viel Bläser habe ich immer gedacht.
00:32:59: Das ist zu viel bläser weniger Streicher aber das war auch fantastisch.
00:33:05: Aber als sich diese Sache, diese Technik gelernt hatte er hat richtig beharrt man muss... Also das ist die neue Musik und man muss bei dieser Philosophie bleiben und bei diesen Techniken.
00:33:22: Man darf also keine Octave schreiben, usw.
00:33:26: Und das war ja damals in den Achtzigerjahren in Europa auch genau so.
00:33:30: Ich war damit nicht einverstanden irgendwo aber ich habe einfach gedacht naja ok neue Musik okay dann ich lerne das und ich schreibe das halt so und was alles die Leute schon mal gemacht hat, also diese ganze Technik und so weit kommt von Stockhausen oder Bullets oder wer auch immer.
00:33:55: Und das nachzumachen ist sehr leicht natürlich.
00:33:57: Also dass das neu zu erfinden ist schwierig aber Nachmachen ist ganz einfach.
00:34:04: Das war ganz leicht.
00:34:08: kam ich nach Deutschland und liege Tee.
00:34:10: Und dann liege tee war also komplett dagegen!
00:34:15: Du musst alles wegschmeißen, das ist einfach diese avantgardische Dokumen und du bist ja Koreanerin und du musst einfach deinen eigenen Weg gehen.
00:34:24: Alles ist super aber irgendwie... Das hat mich schockiert, weil das war einfach die versteckte Stimme in meinem Inneren.
00:34:35: Was ich also bewusst nicht wahrgenommen habe.
00:34:38: Aber es gab einfach diese Stimme... Ich will eigentlich nicht diese Art von Musik schreiben.
00:34:45: Weil das verlangt wird, dann mache ich das und damit habe ich auch gewisse Erfolge damals, kleine Erfolgen, Preise usw.. Und dann jemand sagt, was ich gespürt habe.
00:35:01: So ganz stark ins Wort gefasst und das hat mich einfach komplett schockiert.
00:35:10: Ja und damals in Deutschland noch eine Dogma war ... In dieser Stimmung, also damals war Liegeti eigentlich seine Meinung war Er war ziemlich alleine da.
00:35:26: Und er wurde also gespottert und dann belächelte uns weiter, die Mehrheit war nicht so.
00:35:33: Also extrem avantgardisch und so.
00:35:36: Für mich kam noch eine Dokumen aus Korea unter Isangnyeon und dann koreanische traditionelle Musik.
00:35:43: Warum schreibst du das nicht?
00:35:45: Deine Musik ist nicht so!
00:35:46: Das kam auch noch dazu.
00:35:49: Es war eine sehr schwierige Zeit.
00:35:54: Man musste sich entscheiden, will so einen Weg gehen und die Erwartung von den Leuten erfüllen.
00:36:04: Das konnte ich durchaus, aber das wollte ich nicht.
00:36:10: Ich glaube, es lag auch sehr lange ... warum meine Musik in Deutschland nicht gespielt wurde.
00:36:16: Weil also ich konnte nicht irgendwie passen, nirgends keine Schublade.
00:36:23: Ich erfühlte einfach niemandem die Erwartung und das ging also fünfzehn Jahre, zwanzig Jahre oder ziemlich lange so.
00:36:32: Aber das heißt, du hast einfach deinen Weg gemacht.
00:36:34: Du hast das aufgesogen, was du aufsaugen wolltest und dann hast du einfach das gemacht, was dich interessiert hat?
00:36:42: Genau!
00:36:43: Und ich konnte das nicht anders machen.
00:36:46: weil also ich merke jetzt auch... Also wenn ich ein Stück geschrieben habe und da bin ich nicht ganz so sicher und für dieses Sting Also hundertprozentig Gebranz sozusagen.
00:37:05: Und dieses Stück existiert weiter und wird weiter gespielt, das quält mich so.
00:37:12: Wenn ich irgendwelche Stücke geschrieben hätte... Es wäre technisch gesehen so einfach gewesen, irgendeinen Stück zu machen, koreanischer Titel verleihen und dann mache ich hier da ein bisschen glissand und da ein wenig tiller usw.
00:37:27: So einen Anschein zu geben, das wäre so einfach.
00:37:30: gewesen.
00:37:31: Und dann, Leute wäre zufrieden gewesen und die hätten mich auch noch gefördert oder so weiter.
00:37:36: Es wäre vielleicht viel bekannter geworden.
00:37:39: Ich hätte vielleicht ... ich wäre vielleicht eher erfolgreicher aber ich wollte das nicht.
00:37:44: Das ist einfach eine Lüge und deswegen sollte man das nicht machen.
00:37:51: Ich wollte das.
00:37:54: Wobei du eine der erfolgreichsten Komponistinnen der aktuellen Zeit bist, muss man schon auch sagen.
00:38:00: Du hast ein sehr vielfältiges Oeuvre von Solo-Werken über Kammermusik, Ensemblestücke, Orchesterstücke.
00:38:08: Hast zwei Open geschrieben und hast eine große Anzahl an Preisen bekommen.
00:38:16: Bereits für den Gravemeyer Award damals fürs Violinkonzert.
00:38:21: den Arnold Schoenberg-Preis, der Heidelberger Künstlerinnenpreis, dann den Ernst von Siemens Musikpreis quasi.
00:38:30: Den sogenannten Nobelpreis in der Musik und jetzt im vergangenen Jahr ... Nein, in diesem Jahr sogar!
00:38:37: Anfang dieses Jahres, früher diesen Jahres von der BBVW Foundation, the Frontiers of Knowledge Award bekommen.
00:38:45: Also hochdekoriert.
00:38:47: Das heißt du bist mit deiner Taktik mit deinem Weg, deinen Überzeugungen.
00:38:57: Hast du offensichtlich überzeugt?
00:38:59: Also Preise bekommen hat sehr viel mit Glück zu tun.
00:39:05: Ich habe wirklich Glück, so preisenzubekommen.
00:39:08: Jede mal zur richtigen Zeit.
00:39:11: Wenn ich einen Preis brauche, dann kam auch einer.
00:39:18: Ja aber meine Musik.
00:39:22: Also ich habe den Weg gegangen, den ich gehen wollte und man muss schon gewisse Ausdauer haben.
00:39:35: Ich habe, als ich also dreißigvierzig Jahre alt war, habe ich nicht gewusst, ob ich jemals irgendwie als Komponist so anerkannt werden würde.
00:39:49: Aber ich meine selbst, wenn das nicht passieren würde man machte etwas was bleibt und das Werk wirklich die Qualität hat.
00:40:01: dann wird das irgendwann gespielt und anerkannt, also davon war ich überzeugt.
00:40:11: Und deswegen wollte ich einfach den Weg gehen.
00:40:15: Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich sehr viel Anerkennung von allen Seiten bekomme.
00:40:24: und diese Preise.
00:40:26: Ich schäme mich manchmal dafür.
00:40:35: Aber ich bin sehr dankbar.
00:40:37: Es gibt, glaube ich, keinen Grund sich zu schämen dafür?
00:40:40: Nein!
00:40:40: Wir haben vorhin festgestellt deine Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern feiert in diesem Jahr dreißigstes Jubiläum.
00:40:47: Genau, ja.
00:40:49: Daher die deutsche Erstaufführung von Akrostikon Wortspiel.
00:40:54: Ein Werk, wenn ich das richtig sehe, dass in der Zeit im Tonstudio an der Technischen Universität in Berlin entstanden ist.
00:41:02: Genau!
00:41:04: Nach dem ersten Stück im Studio, also rein elektroakustisch... habe ich gewagt, also zum ersten Mal nach Legity wieder so instrumentale Stücke zu schreiben und das ist das erste Stück.
00:41:19: Und die Entstehungsphase war extrem hart weil... versucht, mich aus dieser Krise zu retten.
00:41:31: Und damals war ich sehr jung und als Komponistin hatte ich handwerklich auch nicht so viel Erfahrung.
00:41:42: Das war schon ein großer Kopf – sehr hart!
00:41:52: Verschiedene Werke später dazugekommen.
00:41:55: Ich habe das Ensemble Modern Fantasie Mechanik ebenfalls in der deutschen Erstaufführung gemacht, und es ist eine ganz wichtige Zusammenarbeit für das Ensole Modern auf Google.
00:42:09: Da müssen wir vielleicht gleich noch kurz zu sprechen kommen... dann im selben Jahr wiederum die deutsche erste Aufführung des Doppelkonzerts für Klavier, Schlagzeug und Ensemble.
00:42:22: Und ja das sind glaube ich die Werke wo wir entweder die Uraufführungen hatten oder die deutsche Erstaufführung haben.
00:42:29: Das heißt es wird Zeit dass wir wieder was Neues miteinander machen.
00:42:34: Ja ich hoffe sehr!
00:42:37: Also tatsächlich diese drei Stücke verbinden mich zum Onksongel Modern sehr, sehr stark.
00:42:48: Akrostikon, Wortspiel, Google-On und das Doppelkonzert sind auch die drei Werke, die wir jetzt in diesen Tagen nach Prag bringen zu dem Prag Spring Festival da innerhalb von Prag Offspring eine Residenz haben.
00:43:02: Hunsuk Jin ist die Composer in Residence in diesem Jahr, es ist im Jahr des Jahrtausends sechsundzwanzig.
00:43:08: Und ja ... Wir werden da Intensiv dein Werk beleuchten, ein viertes Stück was der Jan Bossier spielen wird ist ein Ausschnitt aus deiner Opa Alice in Wonderland.
00:43:19: Ein Klarinetten oder Bass-Klarinetten-Solo?
00:43:21: Bass-Clarinettingsolo-Stück
00:43:23: ja.
00:43:23: Ja, Bass-Clarinette als Raupen.
00:43:26: Bass-CLARINETTE als Raupe!
00:43:30: Also so quasi ein Charakterstück.
00:43:38: Ich habe fünf Stichworte, Schlagworte.
00:43:42: Die ich dir gerne sagen möchte und wenn du magst dazu etwas zu verraten ob das Begriffe sind die was für dich bedeuten?
00:43:54: Und ob sie was für deine Musik bedeuten.
00:43:59: Das erste Schlagwort ist Märchen.
00:44:04: Ja, ich war eine Zeit lang sehr interessiert Jetzt vielleicht weniger.
00:44:13: Ich bin erwachsen!
00:44:18: Ein anderes Stichwort ist die Sobranstimme.
00:44:22: Sobranstimme auch, weil ich für meine eigene Stimme – also ich kann absolut nicht singen und deswegen – sobranstimmen als Stellvertreterin von meiner Stimme denke.
00:44:43: Und deswegen auch die hohe Frauenstimme, weil das die Stimme ist mit der du dich hast.
00:44:46: Genau diese schallende Stimme ich liebe sie.
00:44:50: Ja und es ist schon sehr auffallend dass du viele stücke für entweder solosopran oder dann auch beispielsweise in einer ober Eilisen in Wanderland gibt's glaube ich drei hohes operat neben anderen Stimmen.
00:45:02: Der
00:45:02: sobran ist ja schon sehr charakteristisch.
00:45:06: Sinestesie?
00:45:11: Also ich bin nicht so wie Mission, dass ich also von Tönen oder Thunhöhe oder irgendwelche Harmonie so farben sehe.
00:45:19: Ich sehe schon Farbe aber das ist nicht sehen sondern eher so fühlen.
00:45:24: Für mich so gute Musik hat diese schöne Farbe, das leuchtet und das duftet auch.
00:45:33: Eine Musik, also nicht duftet.
00:45:36: Wenn ich selbst in meinem Kopf die Musik verstehe, habe ich Schwierigkeiten.
00:45:47: Du hast am Anfang unseres Gesprächs gesagt ... Damals, als du mit der Musik in Kontakt gekommen bist, ist Debussy sehr wichtig für dich gewesen.
00:45:56: Immer noch!
00:45:56: Das
00:45:57: hat wahrscheinlich auch damit zu tun.
00:45:59: Genau.
00:46:00: Also Debussy manchmal in Deutschland also so unter den Komponenten wird ein bisschen belächelt aber ich finde er ist einer von den wenigen wirklich wirklich wichtige Komponisten in der Geschichte und Ich schätze ihn, also ich liebe seine Musik und also seine Musik hat wirklich diese leuchtende Klangfarben.
00:46:31: Und das duftet sehr schön!
00:46:34: Es
00:46:34: gibt ein sehr berühmtes Zitat von dir in dem du sagst dass deine Musik das Abbild deiner Träume sei.
00:46:43: Da hat
00:46:45: auch die Farben und die Düfte wahrscheinlich wieder was mitzutun.
00:46:48: Mehr, mehr!
00:46:49: Aber ich bereue immer dass ich das gesagt habe, da werde ich immer gefragt und es ist einfach so ein komplexes Ding zu erklären.
00:47:02: Also meine Träume haben mich natürlich geprägt als Mensch.
00:47:06: Also meine Träume sind ein sehr wichtiger Teil von mir und daher ist das, also alles was ich schaffe.
00:47:15: Das ist einfach das Abbild von meinen Träumen.
00:47:21: Dann kommt man das jetzt für einmal klären und lassen jetzt dieses Zitat auch so stehen.
00:47:26: Gut!
00:47:28: Zurück zu den fünf Schlagworten.
00:47:31: Schlaginstrumentarium?
00:47:35: Ich habe große Affinität zu Schlaginstrumenten und ich glaube, das kommt davon, weil ich aus Korea komme.
00:47:44: Ich schreibe Musik für europäisch.
00:47:48: Anführungszeichen, europäische Instrumente, Orchestraunung und so weiter.
00:47:53: Aber irgendwie tief in meinem Inneren – also diese koreanischen Kern gibt es – meine Affinität zu koreanischem Volksmusik wird auch leicht in allen meinen Werken
00:48:10: reflektiert."
00:48:13: ist irgendwie so eingeschrieben in den Subtext.
00:48:16: Genau, genau!
00:48:17: Ohne dass es jetzt, wie du vorhin gesagt hast eben nicht jetzt vorne hinschreiben.
00:48:22: das ist jetzt koreanische Musik.
00:48:25: Ja ja,
00:48:25: genau.
00:48:26: Es ist interpretiert sondern das fließt so...
00:48:28: Genau also als Komponisten muss man seine eigene Musik schreiben, nicht koreanisch oder deutsch oder sonst irgendwer welche Musik.
00:48:38: und selbst zum Beispiel dieses Stück Mein Stück Google Lone, das hat etwas sehr auseuropäisches, etwas koreanisches.
00:48:49: Aber in dem Stück also ich benutze kein einziges asiatisches Instrument und es gibt auch keine direkte Übersetzung von koreanischen Musik.
00:49:02: Und das ist also etwas anderes und ich wollte einfach meine eigene Musik machen.
00:49:08: Vielleicht sprechen wir da kurz, bevor wir dann noch zum fünften Schlagwoch kommen, aber vielleicht sprechen wir hier kurz über die Entstehung von Google Ones.
00:49:15: Das war ja ein groß angelegtes Projekt von Assemble Modern und im Siemens-Artsprogramm, wo eine ganze Reihe von Komponistinnen und Komponnisten eingeladen waren in einer bestimmten Welt gegend sich mit der eigenen Musik auseinander zu setzen.
00:49:32: Und du warst, ich weiß jetzt nicht zwei oder drei Monate ...
00:49:36: In Pol Ribo?
00:49:38: Ja also diese Guangzhou und Hong Kong und Shenzhen China.
00:49:45: Du warst!
00:49:46: Zwei Monate da, drei Monate da?
00:49:49: Nein.
00:49:50: Man durfte dort so lange bleiben.
00:49:54: Aber man hat natürlich ... Damals war mein Sohn noch so klein.
00:49:59: Man hatte ja nicht genug Zeit und ich hab also die Städte zweimal besucht Also einige Tage oder Wochen.
00:50:09: da bin ich geblieben, aber als sich diese Idee von dem Projekt hörte.
00:50:18: irgendwie sechzehn Komponisten mit vier verschiedenen Städten und so dachte, ach ja das ist wieder so ein bisschen skeptisch.
00:50:26: So eine plakative Sache.
00:50:28: und dann wie soll man irgendwo hingehen?
00:50:30: Und dann irgendwie Musik schreiben?
00:50:32: Das ist doch ein absoluter... aber jeder hat gesagt Ja!
00:50:36: Das ist also so wichtig und deswegen musst du unbedingt mitmachen.
00:50:41: und ich habe ja gesagt aus einem Politisch, also quasi so egoistischem Grund weil das irgendwie sehr wichtig war.
00:50:50: Aber wirst du es?
00:50:51: Nein absolut nicht.
00:50:53: und dann ich bin nach Hongkong gekommen und bin also über die Stadt irgendwie so spazieren gegangen und das war einfach so interessant, weil also in Hongkung wir kennen wohl diese Wolkenkratzer, was man überall sieht.
00:51:12: Aber wenn man so läuft und dann auf der Straße unten sieht – es ist ganz anderes!
00:51:19: Und das hat mich sehr an meiner Kindheit erinnert.
00:51:24: Es gab also eine richtige Zündung der Idee Okay, dann machst du einfach aus dieser Erinnerung von deiner Kindheit und damals diese Straßenterte was du da gesehen hast.
00:51:40: Diese Erinnerungen kamen wirklich also da als ich in Hongkong war und das war schon ... Das hat sich schon gelohnt.
00:51:50: Und das Stück ist rein instrumental, kein Theater.
00:51:54: Es gibt keine Gesangstimme und auch keine Schauspieler dabei.
00:51:58: Sondern es ist eine Art ... Du hast das, glaub ich, auch imaginiertes Theater genannt?
00:52:03: Ja,
00:52:03: Straßenteater.
00:52:05: Also so mitabsichtlich schlechte ... schlecht gemachte Musik, also so schlechte Musik mit Absicht.
00:52:17: So was man auf der Straße hört und dann was jeder spielen kann.
00:52:24: aber um das zu erreichen muss man richtig gut spielen.
00:52:28: Und bei dem Stück ist es eben wie bei vielen deiner Stücke auch so dass du ein ganzes Arsenal an klein und kleinst Schlaginstrumenten auch mit eingebunden hast.
00:52:39: Also die Leser müssen alle eigentlich auch Schlagzeug spielen?
00:52:43: Ja, ja genau weil es gab ja gewisse Begrenzung also wie viele Musikkommanden nehmen durfte.
00:52:48: Die Stammbesetzung des Ensemble
00:52:50: Rotären.
00:52:50: Genau und dann ich brauchte irgendwie sechs oder zehn Schlagsäugers.
00:52:55: das ging ja nicht.
00:52:56: Und deswegen habe ich gedacht, also jeder der deine Hand hat soll was spielen und die Bläser spielen das.
00:53:06: Das macht Spaß!
00:53:10: Das fünfte und letzte Wort, was ich habe aber vielleicht hast du dann auch noch ein Wort ist Arbeit mit Text?
00:53:17: Ja, das ist eine sehr interessante Frage.
00:53:20: Also wenn wir über Akrostikon sprechen... Das ist ein Jugendwerk.
00:53:28: quasi da war ich noch sehr jung und in der Zeit war ich ... Ich hatte einfach Angst, einen Text zu vertonen mit sementischem Bedeutung.
00:53:38: Und dann kommen also automatisch die Emotionen dazu und das wollte ich vermeiden.
00:53:46: Deswegen habe ich viele Texte ausgesucht.
00:53:49: Aus den Märchen.
00:53:50: Aus der Märchen?
00:53:50: Voilà!
00:53:52: Da haben
00:53:52: wir's.
00:53:55: Die hab' ich so weit unkenntlich gemacht.
00:53:57: Also bearbeitet.
00:54:01: Einzelne Silben so übrigblieben.
00:54:08: Wenn die Sängerin singt, sie bringt automatisch durch ihre Stimme und Gesang ... automatisch die Emotionen in die Musik rein.
00:54:21: Und dann wenn, also nach meiner Meinung, wenn die Texte auch noch irgendwelche Emotion hat das ist einfach zu viel.
00:54:29: und also Texten werden nur benutzt als Werkzeug zum sehen und die Sängerin singt abstrakt aber Trotzdem, also naturgemäß bringt gewisse Emotionen rein.
00:54:45: Und das war damals mein großes Interesse an künstliche Texte und ich habe andere später dann Cantatrix-Sopranica.
00:54:54: Das ist auch nicht ganz so unkenntlich gemacht wie Akrostikon aber es sind sehr künstlich gemachte Texte.
00:55:05: Dazu kam in dem Stück nochmal diese Selbstbezüglichkeit noch, aber das ist später.
00:55:11: Aber in der Zeit habe ich mich interessiert in dieser Art von Texte.
00:55:17: Und ist dir denn wichtig dass die Zuhörenden die Texte kennen oder wissen wo die Textes herkommen?
00:55:23: Weil verstehen tut man ja nichts in den Texten.
00:55:27: Nein nicht unbedingt.
00:55:28: also wenn sie... Also zum Beispiel wenn man so Debissier preliot guckt, also ich liebe die Stücke.
00:55:37: Wenn das Stück anfängt, es gibt keinen Titel.
00:55:40: Aber ganz am Ende im letzten Tag unten steht irgendwie so was man sich dabei fühlen soll.
00:55:48: Das ist genau so.
00:55:49: Also wenn die Leute den Programmtext gelesen hat dann wissen schon Bescheid aber wenn sie nicht hinterher herausfinden dann haben Sie bestimmte Vorstellungen und selbst wenn nicht dann ist das auch egal Es ist nicht so wichtig.
00:56:06: Also gerade bei Acrosticon ist ja dadurch, dass du von Michael Ende die irgendwelche Geschichte einerseits und von Luis Carroll ein Text verwendest also gerade bei Ende da hat jeder irgendwie eine Assoziation an dieses Buch und deswegen wird das automatisch in den
00:56:23: Ja, genau.
00:56:23: Also wichtig ist, dass man die Titel des einzelnen Satzes kennt was gemeint ist und später wird also diese Dormifare als Text benutzt und danach also ABCD also EBCD wird auch Text benutzen.
00:56:44: Und ganz wichtig ist der letzte Satz aus der alten Zeit und da gibt es sehr viel Tril und Mikrotonalität.
00:56:55: Und dass dieser Satz gibt, also richtig so wie ein Abbild von der koreanischen traditionellen Musik.
00:57:04: Aber mein Absicht war nicht so... Ich wollte nur zeigen, wie leicht das ist, so einen Anschein zu erwecken.
00:57:14: So leicht!
00:57:15: Du hast die Mikrotonalität erwähnt?
00:57:17: Die Besonderheit bei dem Stück dass du zwar vorgibst, dass einzelne Instrumente mikrotonal
00:57:24: verdoben sein müssen.
00:57:25: Aber du gibst nicht vor wo?
00:57:27: In welche Richtung?
00:57:28: Die können nach oben oder nach unten?
00:57:30: Nein, nach oben!
00:57:31: Immer alle nach oben?
00:57:32: Alle nach oben ein bisschen.
00:57:34: aber wie viel entscheidet jeder sich selbst.
00:57:39: und also diese Stimmung das hat eigentlich... am meisten Sinn in dem letzten Satz, wo man das wirklich braucht und dann in den anderen setzen.
00:57:52: Also ich weiß es nicht also dass die Sängerin ständig zwischen den beiden Systeme so pendeln muss.
00:58:01: Das irritiert sie auch sehr oft.
00:58:05: Das Irritieren ist ein schönes Stichwort weil deine Musik nimmt wenig Rücksicht auf die Bequemlichkeit von Musikerinnen und Musikern.
00:58:16: Ich fühle mich also sehr schuldig, ja?
00:58:19: Ja und besonders... Also heutzutage ich bin ja jetzt alt und jetzt habe ich viel mehr Erfahrung auch handwerklich bin ich weiter als damals vor von dreißig Jahren.
00:58:31: Also wenn ich diese Stückheutz-Tage schreiben würde, ich würde das Ganze nicht so kompliziert machen.
00:58:39: Aber damals war das einfach dieser Kampf, irgendwie etwas zu schaffen und aus der Krise zu kommen.
00:58:45: Und dann man ist nicht so eloquent beim Schreiben oder man macht also ohne Absicht irgendwelche Dinge schwerer als es sein muss.
00:58:59: Das gebe ich zu!
00:59:00: Und das ging ja eine ganze Zeit lang so.
00:59:02: aber heutzutage bin ich nicht so.
00:59:04: Meine Musik ist immer noch sehr schwierig zu spielen viel praktischer als damals.
00:59:11: Sie ist wahnsinnig virtuos und sie für jede einzelne Stimme Wahnsinnig Virtuos gerne auch mit sehr schnellen Tempi, also es ist schon ein Hochleistungssport.
00:59:22: Ja ja das kommt auch ein bisschen von koreanischen traditionellen Musik, also Foxmusik.
00:59:29: diese unbändige Temperament und Geschwindigkeit das liebe ich.
00:59:37: Das versuche ich dann, in meiner Musik zu realisieren.
00:59:42: Wir haben vorher gerade das Doppelkonzert geprobt und ich war da teilweise in der Probe Und das ist ein wahnsinnig dichtes Werk.
00:59:50: Man hat eben das Soloklavier, man hat Solo-Schlagzeuge und Soloklavier übrigens sehr stark präpariert.
00:59:56: also ich weiß nicht um auch wieder so eine bestimmte Färbung Tonalität
01:00:00: reinzukriegen.
01:00:01: Genau, also so Gamelan.
01:00:02: Ja, ja.
01:00:03: Gamelangklappier quasi.
01:00:05: Hypergamelan!
01:00:06: Und das Ensemble ist aber eigentlich der dritte Solist in diesem... in diesem Stück, oder kann man das
01:00:12: nicht sagen?
01:00:13: Genau.
01:00:14: Die sind alle Solisten und dieser Stücke ist teilweise eigentlich die ganze Zeit sehr dicht.
01:00:26: aber es gibt ja gewisse Teile, die dichter sind also wirklich dicht Aber mit Absicht.
01:00:33: Und es ist sehr interessant, wenn ich mal Sessionprobe habe nur so Streicher und Blässe und so.
01:00:40: Das klingt doch ganz nett!
01:00:43: Wenn sie alle zusammenkommen, dann ist das einfach ein Jungle.
01:00:49: Wie funktioniert bei dir ein Kompositionsprozess?
01:00:52: Wenn du dich an ein neues Stück setzt...
01:00:56: Das ist immer so, ich brauche sehr lange Zeit um Ideen zu haben und die Ideen reifen zu lassen in meinem Kopf.
01:01:05: Und dann irgendwann ... Also die Zeit ist so reif also diese Ideen wollen raus!
01:01:11: Und dann versuche ich einen Weg zu finden also die Idee von meinem Kopf zum Papier.
01:01:19: Und das ist also die schwierigste Phase weil die Ideen sind immer so vage und sehr abstrakt.
01:01:27: Aber wenn man das aufs Papier bringt, dann muss man das in mehreren Parameter übersetzen.
01:01:35: Und das ist sehr, sehr schwierig.
01:01:38: Das dauert also sehr lange bis ich den ersten Tun schreibe ... Seite und das ist also entscheidend.
01:01:52: Also wenn ich das Gefühl habe, dass ist es!
01:01:55: Und dann der Rest kommt von selber.
01:02:00: Der Anfang ist für mich mehr als die Hälfte.
01:02:05: Besonders dieses Doppelkonzert... Ich hab lange, lange, lang überlegt.
01:02:14: Ich hatte schon eine Idee, aber wie fange ich an?
01:02:20: Welche Textur und so.
01:02:23: Das hat also fast ein Jahr gedauert.
01:02:26: Und dann habe ich entschieden, okay, Quintolle ist das Motto.
01:02:35: Die erste Seite geschmöre ich solo Stimme Und dann das passte, okay.
01:02:42: Dann geht's los und das ging ziemlich schnell so acht Wochen oder so.
01:02:49: Diese ganzen Details kam alles ...
01:02:54: Arbeitest du am Flügel?
01:02:56: Nein, nein.
01:02:57: Das hat überhaupt keinen Sinn!
01:02:59: Ich komponiere niemals am Klavier, selbst also Klavierstücke und nie irgendwie Computer benutzt oder nie irgendeine... Also wenn ich ein Stück lief habe, selbst diese dreistündige Oper letztes Jahr Siebenhundert Seiten, also mehr als wenn ich das liefere.
01:03:19: Ich höre die Töne erst bei der ersten Probe, Orchestra-Probe.
01:03:23: Also davor ich nie.
01:03:26: Deine Musik ist ja durch vieles gekennzeichnet aber was ich einfach jedes Mal umwerfend finde ist der Klangfarbenreichtum den du in deiner Musik hast.
01:03:38: Das ist für mich
01:03:40: die Vorstellungskraft und dann das Handwerk, dass du weißt wie kriegst du diese Klänge, die dir vorstellen.
01:03:47: Die klangfarbe, diese leuchtende Farbe, die ich von jeder guten Musik spüre, versuche ich natürlich in meiner Partitur zu realisieren.
01:04:05: Es geht ja also nicht nur um Instrumentierung.
01:04:09: Also natürlich, diese Mixtur von Instrumente muss man auch viel überlegen und dann riskiere ich auch.
01:04:19: Ich mache sehr viele Experimente.
01:04:22: Irgendwelche Mixture, was ich noch nie gesehen benutzt habe... schreibe ich und dann gucke einfach, was passiert.
01:04:32: Es gibt auch solche Fälle und es gibt einfach ständig irgendwelche Experimente in der Partiturform.
01:04:44: Manchmal klappt und ab und zu total daneben geht.
01:04:52: Du komponierst nicht am Flügel, aber ich glaube wenn ich das richtig von dir weiß dann hat der Flügeln eine wichtige Funktion auch innerhalb eines Kompositionsprozesses bei dir.
01:05:03: Das
01:05:03: ist immer so!
01:05:05: Mein alter großer Traum also Pianistin zu werden, das habe ich nicht erfühlen können.
01:05:12: und deswegen klar wir... Also überhaupt diese Fertosität, das fasziniert mich.
01:05:20: Und deswegen, also fast in meinem allen Werken gibt es also Klavier und Klavier spielt eine sehr große Rolle.
01:05:30: Aber ja ... die Pianisten freuen sich!
01:05:33: Aber du spielst auch viel Klavier oder?
01:05:35: Ich spiele sehr gerne Klavier.
01:05:38: Ja...
01:05:42: Wir müssen auch noch darauf zu sprechen kommen dass dir auch sehr oft und regelmäßig unterrichtest, dass du auch ein Festival leitest, eine Akademie leitst.
01:05:56: Dass du viel in Juris bist also dich sehr viel auch mit dem Schaffen von jungen Kolleginnen und Kollegen auseinandersetzt.
01:06:05: Also du bist seit Jahrzehntzweiundzwanzig im Tongyong übrigens da wo
01:06:11: Ein Sammel modern?
01:06:13: Ja, ein Sammel Modern auch.
01:06:14: Was ich zuerst sagen wollte, wo Isang Jung begraben ist.
01:06:17: Genau.
01:06:17: Oder geboren und begrabt.
01:06:22: Und ja das Sammel Moderne hat das Glück da eine dreijährige Residenz zu haben in der Akademie.
01:06:29: Und diesen Jahr waren wir auch beim Festival mit dabei.
01:06:33: Seit dem Jahr zwanzig leitest du Festival- und Akademie Auch das Festival in Taiwan und die Akademie, wie wir sie jetzt erlebt haben im letzten September.
01:06:55: Das ist so eine Art Inkubator für junge koreanische Musikerin Musiker Instrumentalistinnen, Komponistinnen und Dirigentinnen jetzt in diesem Jahr auch Sängerinnen um denen Möglichkeiten zu schaffen.
01:07:14: Du hast diese Akademie deutlich ausgebaut in dieser Zeit wo du die Leitung übernommen hast.
01:07:20: was ... Wo siehst du dir die Rolle dieser Akadémie?
01:07:24: Und was bedeutet dir diese Arbeit mit den jungen und für die jungen Menschen?
01:07:28: Also meine Arbeit für die jungen Komponisten fing an, das war eigentlich im Jahr two thousand six.
01:07:38: Als ich bei Seoul Philharmonic Orchestra angefangen hatte, da hat sich eine neue Musikreihe aufgebaut und da blieb ich zwölf Jahre lang, also hunderte von jungen Studenten unterrichtet.
01:07:55: Einige, so drei oder vier Leute jetzt machen Weltkarriere.
01:08:01: So habe ich angefangen und dann später habe ich auch in London mit Philharmonia Orchestra diese jungen Komponistenakademie gemacht.
01:08:11: Und seitdem ich dieses Festival in Tongyeong leite mache, wie gesagt die Akademie.
01:08:20: Das ist also nicht nur ... Also die junge Komponiisten zu motivieren und denen einfach Chance zu geben, sich zu entfalten.
01:08:29: Und auch Aufträge zu bekommen für meine Kollegen in Europa.
01:08:39: Ich habe also deren Stücke ins Programm gesetzt in Asien Projekte mitgewirkt oder Aufträge verteilt und das habe ich also sehr lange, sehr viel gemacht.
01:08:51: Ich bin sehr stolz darauf natürlich und ich werde das weitermachen.
01:08:57: Und diese, besonders Tungyong Akademie und auch in Wei-Wing Akadémie.
01:09:03: für mich ist es sehr wichtig die jungen Komponisten im asiatischen Raum zu unterstützen Und mein Ziel ist natürlich, die kommen nach Europa und studieren.
01:09:18: Und dann werden auch Karriere machen usw.
01:09:23: Aber ich möchte wirklich das in Asien irgendwie etwas Eigenständiges rauskommen.
01:09:38: Viele gute Komponisten, die International Karriere machen gibt es viel.
01:09:45: Aber meine Einstellung seit etwa fünf bis sechs Jahren hat sich sehr geändert und wir haben ja früher über diese Dokumente in den Achtzigerjahren ... gesprochen.
01:10:01: und dann ich wollte einfach nicht dogmatisch werden.
01:10:04: Und dann, ich bin meinen eigenen weggegangen aber seit letzten Jahren, ich denke vielleicht ist meine Musik also die ich für so gewissermaßen freier halte, ist doch nicht so frei sondern man muss den Blick und die Augen noch mehr öffnen weil die Welt also öffnet sich.
01:10:30: Situation ist auch anders.
01:10:33: Für uns, also für asiatische Musiker ist die Lage in der Welt viel anders geworden.
01:10:43: Die Welt ist offener und wir haben jetzt mehr Chancen als vor dreißig Jahren.
01:10:51: Man muss den Blick einfach noch weiter öffnen.
01:10:56: Wenn ein junger Komponist irgendwo ... zum Beispiel einen Wettbewerb in Genf oder sonst irgendwo bewirft und den großen Preis wird.
01:11:04: Das ist schön, aber ich meine das war es auch.
01:11:07: Also wichtig ist dass man seinen eigenen Weg geht und zwar viel radikaler als ich.
01:11:15: Viel radikaller!
01:11:16: Und das ist möglich.
01:11:18: Ich bin also sicher und deswegen also ich möchte für diese Leute einfach die Möglichkeit geben Ja, also ich warte sehr ungeduldig.
01:11:36: Es ist noch nicht so weit aber wer weiß?
01:11:41: Mit zehn, zwanzig Jahren!
01:11:46: Schön ja.
01:11:47: es ist allerdings auch feststellbar das merken wir in unserer Arbeit sehr viele, sehr gut ausgebildete koreanische Komponistinnen und Kompонisten gibt.
01:12:00: Und das man bei manchen merkt man auch die... haben unsugjin ganz genau studiert, aber viele... Das
01:12:06: sollen sie nicht.
01:12:08: Aber viele entwickeln sich dann und die Interessanten entwickeln auf ihrem eigenen Weg weiter und kreieren das eigene.
01:12:18: Und für uns ist es wahnsinnig spannend in diesen Prozessen im Rahmen dieser Akademie diese mitzuerleben um auch Leute entdecken zu können.
01:12:30: Wir haben vorher über das Thema des Textes gesprochen und dein Umgang mit Text.
01:12:35: Du hattest ja eben zwei Opern geschrieben, dass eine ist alles im Wanderland wo du am Libreto mitgearbeitet hast.
01:12:43: Und jetzt bei der letzten Oper die du vorhin auch kurz angesprochen hast Die dunkle Seite des Monds Hast du das Libretto hast du geschrieben Inwiefern jetzt in diesem Bereich der Oper unabdingbar, dass du sowohl das Libretto als auch die Musik in den Händen hast?
01:13:12: Ich glaube also das müsste eigentlich immer so sein.
01:13:16: Also das kann ich jetzt sagen nach meiner Erfahrung mit meinem Oper man ist einfach her über alles und das war für mich... Zum ersten Mal hatte ich diese Erfahrung.
01:13:31: Ich schaffe eine Oper, aber nicht nur Musik, sondern auch den Inhalt, worum es geht.
01:13:37: Das habe ich erfunden und dann ... Diese einzelnen Texte habe ich selber geschrieben und das ist wirklich komplett mein eigenes.
01:13:48: Und das Gefühl kann ich gar nicht beschreiben ganz egal ob das gelungen ist oder nicht, also da soll man ja hier auch gar nicht sprechen.
01:13:59: Aber allein dass man das macht, das ist wirklich ein vollkommen kreatives Schaffen und ich fand es faszinierend Wenn ich in der Zukunft noch mal so ein Theaterprojekt habe, oder irgendwie Opa würde ich das weiter so machen.
01:14:28: Es gibt ja eine Idee für einen Musiktheater-Projekt über dass wir beide auch schon sehr lange miteinander sprechen.
01:14:37: Genau, sehr, sehr lange.
01:14:38: Und was eigentlich auch eine Verlinkung jetzt wieder hat zu dem Stück, das mit dem ensemble modernen Uhr geführt worden ist, nämlich Google-On?
01:14:46: Ja genau!
01:14:47: Also diese Idee dieses Projekt hat also diese Google-on, also koreanische fiktive Street Theater, also Straße im Theater und ich will da einfach eine Geschichte erfinden und den Text auch selber schreiben, auf Koreanisch diesmal.
01:15:12: Das würde natürlich gesungen aber... nicht von einer europäischen Sängerin, sondern von einer Pansori-Sängerin.
01:15:24: Und diese Pansorisängerin wiederum hat diese Art von Gesang vielleicht noch nie in ihrem Leben gesungen.
01:15:30: Also das ist also etwas dazwischen und ich will da einfach etwas erfinden oder kreieren ein Gesang was für jede Pansuri noch open area ist.
01:15:42: Pansori ist ja der traditionelle
01:15:44: Koreanische
01:15:45: Gesang mit einer ganz eigenen Technik auch.
01:15:47: Genau, und also Pansuri erzählt ein Sänger oder eine Sängerin eine Geschichte was sehr alltäglich ist aber auch sehr lustig und spielt... Also erzählt und singt und spielt diverse Rolle beschreibt also mit, also stimmlich alle mögliche Sachen.
01:16:14: Und das ist wirklich sehr, sehr interessant und ich glaube in dieser Tradition, unsere Tradition Pansori da sehe ich ein sehr großes Potenzial was man also draus machen kann in der Zukunft.
01:16:29: Und also wiederum, was ich über die Akademie gesagt habe.
01:16:32: Dass man nicht nur diese europäische Avangarde oder eine europäisch neue Musik nachmacht sondern etwas Eigenes schafft und dann in dieser Richtung traditionelle Musik- oder Instrumente benutzen und etwas eigenes schaffen.
01:16:55: Nicht mehr so denken, also nach diesem Schönheitsschema von, also Schönheitsbegriff von europäischen neue Musik.
01:17:06: Denken sondern etwas grobes oder etwas Eigenes schaffen was in diesem, wie sagt man, also Kriterien nicht passt.
01:17:17: Wo ein eigener Kriterium-Katalog eigentlich noch
01:17:19: fertig wird?
01:17:19: Genau!
01:17:20: Also eigene so ästhetische Kriterie schaffen.
01:17:26: Dann ist das das Schlusswort, vielen herzlichen Dank und ich freue mich auf alles was wir in Zukunft gemeinsam machen werden
01:17:33: ja ich mich auch
01:17:34: und jetzt erstmal auf unsere Residenz in Prag und dann im September wieder bei der Akademie in Tongyeong.
01:17:42: Danke schön!
01:17:44: Das war Nebenstimmen der Podcast von und mit Mitgliedern des Ensemble Modern.
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